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Historie

Auf dem Gelände des ehemaligen Gefängnisses aus dem 18. Jahrhundert steht heute das Filmmuseum. Die historische Mauer vor dem Eingang erinnert an den Standplatz der Guillotine, die einst Frauen und Männer den Tod brachte. Heute lernen Sie an derselben Stelle die Geschichte optischer Geräte aus rund 700 Jahren kennen und erfahren Fakten und Legenden zu Stars und Regisseuren, Filmen und Lichtspielpalästen.

Die Geschichte des Filmmuseums ist von vielen Höhen und Tiefen gezeichnet. In 2009 feiern wir das 30jährige Bestehen der Institution. Ihre Entstehung und ihr heutiges Erscheinungsbild wurden von Persönlichkeiten wie dem ersten Leiter Klaus G. Jaeger, dem legendären Kurator der Dauerausstellung, Hartmut W. Redottée, der Ausstellungsmacherin Heidi Draheim sowie der langjährigen Museumschefin Dr. Sabine Lenk geprägt.

Hinzu kommen viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in drei Jahrzehnten zum Erfolg beitrugen, sowie Persönlichkeiten aus Stadt und Land, deren Einfluss das Filminstitut sein eigenes Haus, das Filmmuseum in der Schulstraße, verdankt: Klaus Bungert (Oberbürgermeister (1974-1979 und 1984-1994) von Düsseldorf), Dr. Joachim Klinger (Filmreferent des Landes NRW) und Hans Schwier (Kulturminister von NRW) Heinz Hemming (Schuldezernent).

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Klaus G. Jaeger

Klaus G. Jaeger, am 6.8.1939 in Siegen geboren, machte eine Ausbildung als Industriekaufmann, entdeckte aber bald den Film. In den 1960er Jahren beim Düsseldorfer Filmclub aufgenommen, arbeitete er bald als Vorstand und warb viele neue Mitglieder. Ab 1968 gehörte er der Filmbewertungsstelle der Länder in Wiesbaden an.

In Düsseldorf wurde er 1973 zum Leiter des Filmforums der Volkshochschule, das zu den ersten kommunalen Kinos in Deutschland gehörte, berufen. Jaeger baute das Institut zu einem Zentrum der Filmliebhaber und -historiker aus. Viel beachtete Retrospektiven, auch in Zusammenarbeit mit dem Institut Français, ließen das Publikum von weit her anreisen. Zu den renommierten Gästen des Hauses zählten u.a. Claude Chabrol, Eddie Constantine, Lotte H. Eisner, der Gründer der Cinémathèque Française, Henri Langlois, Lotte Reiniger, Douglas Sirk sowie Lino Ventura.

Der Filmpreis der Stadt Düsseldorf, der Helmut-Käutner-Preis, wurde von Jaeger angeregt und durchgesetzt. Seither organisiert das Filmmuseum die Veranstaltung. Zu den seit 1982 gewählten Preisträgern gehören Lotte H. Eisner (1982), Wolfgang Staudte (1984), Bernhard Wicki (1986), Ulrich Gregor/Hilmar Hoffmann (1988), Wolfgang Kohlhaase (1990), Hildegard Knef (1993), Hanns Eckelkamp, Enno Patalas und Wolf Donner (1995), Rudolf Arnheim (1999), Hannelore Hoger (2001), Wim Wenders (2004) und Dieter Kosslick (2007). Der zurzeit mit 8.000 € dotierte Käutner-Preis gilt inzwischen als einer der wichtigsten deutschen Filmpreise.

Klaus Jaeger nutzte seine Reisen zum Suchen und Ankaufen. Auf Flohmärkten oder in Antiquariaten fand er z.B. historische Kameras, Apparate, alte Filme – der Grundstock für die Sammlung des heutigen Düsseldorfer Filmmuseums. Die ersten Ausstellungen fanden noch im Stadtmuseum statt; erst ab 1993 eröffneten sie im Haus an der Schulstraße 4. Jaeger richtete auch ein Filmarchiv mit Tausenden von Kopien ein und überzeugte das Land Nordrhein-Westfalen, die landeseigene Filmsammlung zur Betreuung in seine Hände zu geben.

Ausgezeichnet wurde Klaus Jaeger mit den Palmes académiques der Republik Frankreich und dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Er starb im Alter von 57 Jahren am 20. Januar 1997, keine vier Jahre nach der Eröffnung des Düsseldorfer Filmmuseums.

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Hartmut W. Redottée

Hartmut W. Redottée, geboren am 25. Juni 1935 in Königsberg, wuchs in Essen auf. Nach einem Studium der Kunst- und Theaterwissenschaften in Köln baute er in den 1960er Jahren den mitgliederstärksten Filmclub der Bundesrepublik in Essen mit auf. 1970 bis 1982 unterrichtete er Filmtheorie, -geschichte und -ästhetik im Fachbereich Kunst der Universität-Gesamthochschule Essen. Dort erwarb er sich mit seinen legendären Filmseminaren den Ruf eines engagierten Streiters für die Filmkunst.

Klaus G. Jaeger holte Redottée 1980 an das damalige Filminstitut der Landeshauptstadt Düsseldorf, wo er sich um den filmpädagogischen Bereich kümmerte. Im Rahmen seines Studio-Programms in der BLACK BOX am Mittwochabend zeigte er avantgardistische Filme. Gleichzeitig boten diese Veranstaltungen jungen Filmmachern, deren Filme keinen Verleih fanden, ein Forum, ihre Arbeiten zu präsentieren. Das Studio-Programm entwickelte sich zu einer festen Tradition für ein cinéphiles studentisches Publikum.

Mitte der 1980er Jahre erhielt er den Auftrag, ein Konzept für das zukünftige Filmmuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf zu erarbeiten. Mit der ihm eigenen Begeisterung erfüllte er diese Aufgabe. Er wollte die weit verzweigten Aspekte der Filmproduktion und -distribution erlebbar machen, die wesentlichen Stationen des Films in seiner Entwicklung zur Kunst durch die großen Filmschöpfer den Besuchern nahe bringen, die Entstehung und Entwicklung dieser über hundertjährigen Kunst dokumentieren. Für ihn war das Filmmuseum eine Chance, Versäumtes nachzuholen, um auch die unterentwickelte Filmkultur in unserem Land auf ein breiteres Fundament zu stellen. Noch heute in Erinnerung sind seine legendären ‘Führungen’ durch ein ‘imaginäres Museum’, mit denen er seine Zuhörer aus Politik, Presse, Filmwissenschaft sowie alle Freunde des Hauses begeisterte. Nach dem Tod von Klaus G. Jäger war Hartmut W. Redottée sechs Monate als kommissarischer Leiter für das Haus verantwortlich.

Seine pädagogischen Fähigkeiten sowie seine engagierte, sehr persönliche Sicht auf den Film zogen Zuhörer und Seminarteilnehmer in den Bann. Hartmut W. Redottée setzte sich vehement dafür ein, dass der Film in Deutschland nicht nur als Ware, sondern auch als eine den anderen Künsten gleichgestellte ästhetische Kreation angesehen wird. Für ihn galt, was auch schon für Bertolt Brecht gültig war: “Demokratisch ist es, den kleinen Kreis der Kenner zu einem großen Kreis der Kenner zu machen. Denn die Kunst braucht Kenntnisse. Die Betrachtung der Kunst kann nur dann zu wirklichem Genuss führen, wenn es eine Kunst der Betrachtung gibt.“

Hartmut W. Redottée verstarb am 15. April 2000 in einem Essener Krankenhaus.

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Heidi Draheim

Heidi Draheim wurde am 24. September 1941 in Sensburg geboren. Nach der Schule machte sie eine Lehre als Apothekenhelferin und ließ sich zur Masseurin und Krankengymnastin ausbilden. Es folgte ein längerer Aufenthalt in Kalifornien. Nach ihrer Rückkehr holte sie das Abitur nach und studierte an der FU Berlin Soziologie, Theaterwissenschaft und Publizistik. Das Thema ihrer Diplomarbeit lautete: "Das Frauenbild der Effi-Briest-Verfilmungen unter Berücksichtigung filmischer Konventionen".

Spätestens ab da galt ihre Hauptleidenschaft und –berufung dem Film. In Berlin besuchte sie häufig die Filmkunstkinos wie Lupe, Kurbel und Arsenal. Auch beruflich war sie nun auf diesem Feld tätig: Als Regieassistentin bei diversen Filmproduktionen, Organisatorin einer Filmreihe zur 750-Jahr-Feier Berlins, immer wieder mit Recherchen für verschiedene Projekte, Archivtätigkeiten, Ausstellungsorganisation und –beratung.

Der "Durchbruch" gelang ihr 1988 mit der von ihr organisierten Ausstellung "Nahaufnahme Neukölln", die die Geschichte des einstigen Kinokiezes von den Anfängen bis zur Gegenwart zeigte. Diese Ausstellung war ein großer Erfolg, was zu einer Verlängerung führte.

Erste Kontakte zum Filminstitut Düsseldorf entstanden im Rahmen einer Murnau-Ausstellung, die 1988/89 in Bielefeld und im Düsseldorfer Stadtmuseum präsentiert wurde. 1990 zog Heidi Draheim aus Berlin fort, um in Düsseldorf beim Filminstitut und später Filmmuseum tätig zu werden. Sie kuratierte mehrere erfolgreiche Sonderausstellungen. Hier seien nur diejenigen über Laurel & Hardy, Götz George und Alfred Hitchcock genannt. Nach der Erkrankung Hartmut W. Redottées übernahm sie für vier Monate die kommissarische Leitung des Filmmuseums.

Nach ihrer Pensionierung wollte Heidi Draheim wieder nach Berlin zurückkehren. Dazu sollte es nicht mehr kommen, sie starb nach schwerer Krankheit am 25. März 2005.

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Geschichte der Institution

Die Wurzeln der Institution im Herzen Düsseldorfs gehen auf bis in die 1950er Jahre zurück: 1956 richtete die Stadt die Jugend- und Kulturbühne für wöchentliche Schulfilmveranstaltungen ein und schuf ein Lager für die Nitrofilmsammlung des ehemaligen “Kinomoguls“ Fritz Genandt (Geschäftsführer von Residenz, Apollo, Europa-Palast), die heute zu den Beständen unseres Filmarchivs gehört.

Die Bewegung der Kommunalen Kinos führte zum “Filmforum“, ein der Volkshochschule angegliedertes Filmseminar: Unter Leitung von Klaus G. Jaeger begannen die Filmvorführungen in der Prinz-Georg-Straße. Jaeger lud gerne Vertreter der “Neuen deutschen Welle“ ein, die hier Gelegenheit bekamen, mit dem Publikum über ihre Werke zu diskutieren.

Dank des Erfolgs des Filmforums weit über die Grenzen Düsseldorfs hinaus kam es am 15.3.1979 zur Gründung des Filminstituts der Landeshauptstadt Düsseldorf. Seine Aufgaben umfassten vier Felder: Sammeln und Bewahren von Film und filmverbundenen Materialien, Zugänglich machen der Bestände durch Ausstellungen und Filmvorführungen, Organisation von Seminaren und Workshops zur Vermittlung von Wissen über die Filmkunst sowie Unterstützung der Filmschaffenden der Stadt durch die Bereitstellen von Geräten und Material. Das Filminstitut bezog 1983 Räume im 1. OG vom Wilhelm Marx-Haus an der Kasernenstraße 6, wo auch die Nachfolgerin des Filmforums, die Black Box eingerichtet wurde.

Bis 1993 fanden Ausstellungen in anderen Museen statt (siehe Rubrik „Ausstellungen“). Am 21. August 1993 eröffnete Klaus G. Jaeger an der Schulstraße 4 sein eigenes Haus mit Dauer- und Sonderausstellungsräumen. Den Kinosaal im Parterre, die Black Box mit 135 Sitzen, ziert seither die 1930 erbaute und 1980 erworbene Welte-Kinoorgel. In 2000 zogen die meisten Sammlungen sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Haus am alten Hafen. Die Räume an der Kasernenstraße dienten bis 2005 als Depot. 1997 erhielt das Filminstitut einen neuen Namen: Filmmuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf.

Bereits 1996 sollte das Museum an der Schulstraße 4 wieder geschlossenen werden, da die Stadt Geldmangel plagte. Auch die Zusammenlegung mit dem Theatermuseum wurde erwogen. Presse und Öffentlichkeit wehrten sich erfolgreich gegen die Pläne von Kulturdezernent Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, doch das Filmmuseum hatte seinen Filmsaal abzugeben. Ein privater Kinobetreiber erhielt die Räume kostenlos und verpflichtete sich, die Filmevents des Museums zu finanzieren. Das Filmmuseum verlor parallel dazu sein Kinopersonal und seine Sachmittel. Programme, welche die Kinobetreiber als ”nicht zu amortisieren” ansahen, finanzierte es über Fundraising. Die neunjährige Abhängigkeit führte zu unüberbrückbaren Differenzen.
Seit dem 1.1.2007 verfügt das Filmmuseum über eine eigene Stelle und Mittel für 180 Vorstellungen pro Jahr, und kann so seinem filmpädagogischen Auftrag endlich wieder unabhängig nachkommen.

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